Mabon – das Fest der Ernte und des Gleichgewicht

Mabon – das Fest der Ernte und des Gleichgewicht

Die Tage werden spürbar kürzer, das Licht verändert sich, die Felder werden abgeerntet und morgens liegt wieder diese Kühle in der Luft. Mit Mabon, der Herbsttagundnachtgleiche, beginnt eine besondere Zeit im Jahreskreis. Für einen kurzen Moment befinden sich Tag und Nacht nahezu im Gleichgewicht, bevor die Dunkelheit zunehmend mehr Raum einnimmt.

Mabon steht deshalb nicht nur für Ernte und Dankbarkeit, sondern auch für Balance und Übergang. Es ist ein guter Zeitpunkt, um zurückzublicken auf das, was in den vergangenen Monaten gewachsen, gereift und nun geerntet worden ist, und gleichzeitig zu überlegen, was wir nicht mit in die dunklere Jahreshälfte nehmen möchten.

Mabon im Jahreskreis: ein Sonnenfest zwischen Licht und Dunkelheit

Mabon gehört zu den vier Sonnenfesten des Jahreskreises. Anders als die dazwischenliegenden Feste orientiert es sich nicht am Mond, sondern an einem astronomischen Wendepunkt: der Herbsttagundnachtgleiche.

Rund um den 22. oder 23. September überquert die Sonne den Himmelsäquator. Tag und Nacht sind nun annähernd gleich lang. Danach werden die Nächte länger und die dunkle Jahreshälfte beginnt spürbar.

Im Jahreskreis steht Mabon damit dem Frühlingsfest Ostara gegenüber. Beide markieren einen Moment des Gleichgewichts, allerdings mit entgegengesetzter Bewegung. Während nach Ostara das Licht zunimmt, gewinnt nach Mabon die Dunkelheit.

Auch wenn Mabon kein christliches Fest ist, lässt sich eine deutliche Brücke zu unserem heutigen Erntedankfest schlagen. Inhaltlich begegnen sich beide in einem zentralen Gedanken: Die Ernte ist eingebracht, die Fülle des Jahres wird sichtbar und es ist Zeit, dafür dankbar zu sein.

Im Christentum gilt dieser Dank Gott und seiner Schöpfung. Im modernen Jahreskreis steht stärker der Kreislauf der Natur im Mittelpunkt. Der Grundgedanke ist dennoch erstaunlich ähnlich: innehalten, auf die Ernte schauen und bewusst wahrnehmen, was uns dieses Jahr gebracht hat.

Ist Mabon wirklich ein altes keltisches Fest?

Hier lohnt sich ein kleiner Blick hinter die Kulissen, denn rund um die Jahreskreisfeste werden historische Überlieferung und moderne Spiritualität gerne einmal wild miteinander vermischt.

Die Herbsttagundnachtgleiche wurde in unterschiedlichen Kulturen seit sehr langer Zeit beobachtet. Der heute im modernen Jahreskreis verwendete Name Mabon ist allerdings deutlich jünger. Er wurde erst im 20. Jahrhundert für die Herbsttagundnachtgleiche etabliert und bezieht sich auf die Figur Mabon ap Modron aus der walisischen Mythologie.

Mabon ist also kein historisch belegter Name eines alten keltischen Erntefestes. Die Idee dahinter ist dennoch sehr alt: Menschen beobachten seit Jahrtausenden den Lauf der Sonne, die Jahreszeiten sowie den Wechsel von Saat, Wachstum und Ernte. Kaum eine Zeit macht diesen Kreislauf so sichtbar wie der Herbst.

Mabon ap Modron – der Mythos hinter dem Namen

Mabon ap Modron bedeutet sinngemäß „Mabon, Sohn der Mutter“. In den walisischen Erzählungen wird Mabon seiner Mutter Modron bereits kurz nach seiner Geburt entrissen. Lange bleibt sein Aufenthaltsort unbekannt, bis er schließlich gefunden und befreit wird.

In diesem Mythos steckt ein Motiv, das uns in vielen alten Erzählungen begegnet: Etwas verschwindet, zieht sich zurück und wird dem direkten Blick entzogen, ohne wirklich verloren zu sein. Genau dieses Prinzip lässt sich auch in der Natur beobachten. Im Herbst fallen die Blätter, Pflanzen ziehen sich zurück, Früchte werden geerntet und vieles, was zuvor üppig und sichtbar war, verlagert sich nach innen.

Der Rückzug bedeutet dabei nicht zwangsläufig ein Ende. Er ist vielmehr Teil eines Kreislaufs, in dem auf Wachstum immer auch Ruhe folgt.

Demeter und Persephone – wenn die Erde still wird

Auch in der griechischen Mythologie begegnet uns dieses Motiv. Demeter ist die Göttin des Getreides, der Fruchtbarkeit und der Ernte. Ihre Tochter Persephone verbringt einen Teil des Jahres in der Unterwelt.

Während Persephone fort ist, trauert Demeter, die Erde wird unfruchtbar und die Vegetation zieht sich zurück. Mit Persephones Wiederkehr beginnt das Leben erneut. Der Mythos wurde über Jahrhunderte unterschiedlich erzählt und interpretiert, doch sein starkes Bild bleibt bestehen: Wachstum und Rückzug gehören zusammen.

Gerade im Herbst wird sichtbar, wie selbstverständlich die Natur zwischen Aktivität und Ruhe wechselt. Sie versucht nicht, zwölf Monate im Jahr zu blühen, zu wachsen und Früchte zu tragen. Vielleicht liegt darin auch für uns eine ziemlich gute Erinnerung.

Wenn die Fäden sichtbar werden

Wer im September früh durch Wiesen, Gärten oder Wälder geht, kann sie kaum übersehen: Spinnennetze, auf denen Tauperlen in der tief stehenden Morgensonne glitzern.

Die Spinnen sind natürlich nicht plötzlich da. Ihre Netze begleiten uns auch in anderen Jahreszeiten. Doch im Herbst machen Nebel und Tau die feinen Fäden sichtbar, die vorher beinahe unbemerkt zwischen Gräsern, Zweigen und Sträuchern gespannt waren.

Kaum ein Naturbild könnte besser zu dieser Zeit im Jahreskreis passen. Denn auch in alten Mythen taucht der Faden immer wieder als Bild für Leben, Verbindung und Schicksal auf.

In der nordischen Mythologie bestimmen die Nornen Urd, Verdandi und Skuld das Schicksal der Menschen. In späteren Darstellungen wurden sie häufig als Spinnerinnen oder Weberinnen des Schicksals beschrieben. Der Faden wurde dabei zum Bild für das, was bereits geschehen ist, was gerade entsteht und was noch vor uns liegt.

Gerade zu Mabon passt diese Vorstellung besonders gut. Hinter uns liegen die Monate des Wachstums und der Fülle, vor uns beginnt die dunklere Hälfte des Jahres. Die feinen Spinnennetze, die im Herbst plötzlich sichtbar werden, erinnern dabei fast sinnbildlich daran, genauer hinzusehen: Welche Verbindungen tragen uns weiter? Welche Wege haben sich entwickelt? Was möchten wir fortführen und was darf enden?

Die zweite Ernte

Mabon wird heute häufig als zweites Erntefest des Jahres bezeichnet. Getreide, Äpfel, Trauben, Nüsse, Kürbisse und spätes Obst prägen diese Zeit. Früher entschied eine gute Ernte sehr konkret darüber, wie gut eine Gemeinschaft durch den Winter kam. Dankbarkeit war deshalb keine hübsche Achtsamkeitsübung, sondern etwas sehr Reales.

Heute leben die meisten von uns deutlich weiter entfernt von diesen natürlichen Kreisläufen. Der Supermarkt sieht im September schließlich fast genauso aus wie im März. Umso spannender ist es, sich bewusst zu machen, was gerade Saison hat und was die Natur in den vergangenen Monaten hervorgebracht hat.

Dieser Gedanke lässt sich auch auf das eigene Jahr übertragen. Ernte muss nicht immer etwas Materielles sein. Vielleicht ist eine Idee gewachsen, eine Beziehung hat sich verändert, ein Projekt wurde abgeschlossen oder eine Entscheidung getroffen, die lange gereift ist. Mabon lädt dazu ein, solche Entwicklungen überhaupt erst einmal wahrzunehmen, bevor der Blick schon wieder auf das Nächste gerichtet ist.

Räuchern zu Mabon

Räuchern passt besonders gut in diese Phase des Jahres. Der Sommer zieht sich zurück, Fenster und Türen bleiben wieder häufiger geschlossen und unser Leben verlagert sich langsam nach innen.

Auch symbolisch passt Rauch zu Übergängen. Etwas Festes verändert seine Form, Duft breitet sich im Raum aus und verschwindet wieder. Genau deshalb lässt sich Räuchern sehr schön mit einem bewussten Rückblick auf die vergangenen Monate verbinden.

Mabon Räuchermischung

Unsere MABON Räuchermischung haben wir genau für diese Zeit im Jahreskreis zusammengestellt. Sie begleitet den Übergang zwischen Fülle und Rückzug, zwischen dem, was hinter uns liegt, und dem, was vor uns beginnt.

Du kannst sie während eines Rituals verwenden, beim Journaling, an einem ruhigen Herbstabend oder einfach dann, wenn du deinem Zuhause bewusst eine andere Atmosphäre geben möchtest. Es muss nicht immer eine große Zeremonie sein. Oft reicht es schon, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, den Duft wahrzunehmen und für einen Moment nicht direkt zum nächsten Punkt überzugehen.

Ein einfaches Mabon Ritual

Ein Mabon Ritual muss weder kompliziert noch besonders feierlich sein. Ein ruhiger Abend, deine Räucherschale, die MABON Räuchermischung, zwei kleine Zettel und ein wenig Zeit reichen völlig aus.

Räuchere zunächst den Raum und lass den Duft einen Moment wirken. Danach kannst du dir zwei Fragen stellen: Was möchte ich aus diesem Jahr noch ernten? Und was möchte ich zurücklassen?

Auf den ersten Zettel kommt alles, was in den vergangenen Monaten gewachsen ist und bereit zur Ernte. Das können große Erfolge sein, aber ebenso kleine Entwicklungen, Begegnungen, Entscheidungen oder Dinge, die du vielleicht erst jetzt richtig wertschätzen kannst.

Auf den zweiten Zettel schreibst du auf, was nicht mit in die kommenden Monate muss. Vielleicht ist es eine Gewohnheit, ein Gedanke, ein Projekt oder eine Erwartung, die ihren Zweck erfüllt hat.

Den ersten Zettel kannst du aufbewahren. Den zweiten kannst du bewusst zerreißen oder sicher dem Feuer übergeben, als sichtbaren Abschluss eines Gedankens.

Mabon und das Prinzip des Gleichgewichts

Die Tagundnachtgleiche macht ein Prinzip sichtbar, das im Alltag schnell verloren geht: Gegensätze schließen sich nicht zwangsläufig aus, sondern gehören häufig zusammen.

Zu Mabon stehen Licht und Dunkelheit, Aktivität und Ruhe, Festhalten und Loslassen sowie Wachstum und Rückzug für einen kurzen Moment besonders deutlich nebeneinander. Es geht dabei nicht darum, sich für eine Seite zu entscheiden, sondern beide als Teil desselben Kreislaufs zu verstehen.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Qualität dieses Jahreskreisfestes. Nicht sofort das nächste Ziel zu definieren, sondern erst einmal wahrzunehmen, was bereits entstanden ist und was davon wirklich weitergetragen werden soll.

Mabon im Jahreskreis

Wer sich intensiver mit den Jahreskreisfesten beschäftigt, merkt schnell, dass ihre eigentliche Schönheit nicht nur in den einzelnen Festen liegt, sondern vor allem in ihrer Verbindung miteinander.

Auf Yule und die dunkelste Zeit des Jahres folgen Licht und Neubeginn. Mit Imbolc beginnt die erste Bewegung, Ostara bringt Gleichgewicht und Aufbruch, Beltane steht für Lebenskraft und Wachstum und mit Litha erreicht das Licht seinen Höhepunkt. Danach beginnt mit Lughnasadh bereits die erste Ernte, bevor Mabon Balance, Fülle und Dankbarkeit in den Mittelpunkt stellt. Mit Samhain folgt schließlich der Übergang in die dunkle Zeit.

Jahreskreisposter

Unser PAVA FUMA Jahreskreisposter zeigt dir diesen Kreislauf mit den acht Jahreskreisfesten auf einen Blick. Es ist keine starre Anleitung, sondern eher eine Erinnerung daran, wie stark unser Jahr von wiederkehrenden Phasen geprägt ist und dass nicht jede Zeit dieselbe Aufgabe hat.

Mabon bewusst feiern

Du musst weder an alte Gottheiten glauben noch komplizierte Rituale durchführen, um Mabon bewusst zu erleben. Vielleicht gehst du einfach in den Wald, kochst mit dem, was gerade Saison hat, sammelst Äpfel oder Nüsse oder beobachtest morgens die Spinnennetze im Tau.

Du kannst eine Kerze anzünden, deine MABON Mischung räuchern oder dir ein paar Minuten nehmen und aufschreiben, wofür du gerade dankbar bist und was du nicht mit in die kommenden Monate nehmen möchtest.

Es ist ein Moment im Jahr, der uns daran erinnert, nicht nur darauf zu schauen, was noch fehlt, sondern auch auf das, was längst gewachsen ist und genieße deine Ernte.

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