„Ich gebe einfach einen Tropfen Weihrauchöl in meine Creme.“

„Ich gebe einfach einen Tropfen Weihrauchöl in meine Creme.“

Warum dadurch noch keine Pflege mit Harzauszug entsteht

Diesen Satz hören wir an unseren Ständen erstaunlich oft: „Ich gebe einfach einen Tropfen von meinem Weihrauchöl in die Gesichtscreme.“

Der Gedanke dahinter ist verständlich. Man hat bereits eine Creme, gibt Weihrauch dazu und erwartet, damit die besonderen Bestandteile des Harzes in die Pflege zu bringen. Gerade bei hochpreisigen ätherischen Ölen entsteht schnell der Eindruck, in dem kleinen Fläschchen müsse die ganze Kraft des Weihrauchs stecken.

Tatsächlich landet mit dem Tropfen aber etwas anderes in der Creme.

Was im ätherischen Weihrauchöl steckt

Ätherische Öle bestehen aus flüchtigen, fettlöslichen Pflanzenstoffen. Beim Weihrauch entstehen sie durch Destillation des Harzes. Mit dem Wasserdampf werden vor allem aromatische Verbindungen wie Alpha-Pinen, Limonen und Myrcen gewonnen. Sie prägen den typischen Duft des Öls. Das Bundesinstitut für Risikobewertung beschreibt ätherische Öle als komplexe Gemische flüchtiger Pflanzeninhaltsstoffe, die überwiegend zu den Terpenen gehören.¹

Gibst du ätherisches Weihrauchöl in eine Creme, fügst du genau diese Duftfraktion hinzu. Das kann den Geruch der Pflege verändern. Je nach Öl wirkt er harzig, frisch, zitronig oder leicht pinienartig.

Die Boswelliasäuren kommen dadurch allerdings nicht in die Creme.

Boswelliasäuren sind nicht flüchtig. Sie können bei der üblichen Dampf- oder Hydrodestillation nicht mit dem Wasserdampf in das ätherische Öl übergehen. Die wissenschaftliche Literatur formuliert es eindeutig:

„Boswelliasäuren sind im ätherischen Weihrauchöl nicht enthalten, weil sie nicht flüchtig sind.“²

Sie bleiben im Harz beziehungsweise im Rückstand der Destillation.

Ein Tropfen ist noch keine Rezeptur

Eine kosmetische Rezeptur besteht aus genau aufeinander abgestimmten Rohstoffen. Dabei geht es um Mengen, Verträglichkeit, Haltbarkeit, Konsistenz und die vorgesehene Anwendung.

Wer spontan einen Tropfen Öl in eine Portion Creme gibt, kennt die endgültige Konzentration meist nicht. Ein Tropfen in einer kleinen Menge ergibt eine andere Verdünnung als derselbe Tropfen in einer größeren Menge. Hinzu kommt: Nicht jedes ätherische Öl ist für jede Anwendung auf der Haut gedacht.

Das BfR weist darauf hin, dass ätherische Öle in Kosmetik in der Regel stark verdünnt eingesetzt werden. Die Hinweise des jeweiligen Herstellers zur Verwendung und Verdünnung sollten deshalb eingehalten werden. Für Säuglinge und Kleinkinder gelten besonders strenge Vorsichtsregeln.¹

Es geht also nicht darum, ätherisches Weihrauchöl grundsätzlich schlechtzureden. Für Duft, Aromatherapie und passend entwickelte Anwendungen kann es ein wertvoller Rohstoff sein. Es erfüllt nur eine andere Aufgabe als ein Harzauszug.

Was ein Harzauszug verändert

Ein Harzauszug entsteht nicht durch Destillation. Das Harz kommt direkt mit einem geeigneten Trägermedium in Kontakt. Je nach Verfahren können sich dadurch Bestandteile lösen, die nicht in das ätherische Öl gelangen.

Welche Stoffe und Mengen tatsächlich im Auszug enthalten sind, hängt vom verwendeten Medium, von Temperatur, Dauer und Verarbeitung ab. Ein Harzauszug ist deshalb ebenfalls keine pauschale Garantie für eine bestimmte Konzentration an Boswelliasäuren. Dafür braucht es eine Analyse des konkreten Auszugs.

Der grundlegende Unterschied bleibt trotzdem bestehen:

Ein Tropfen Weihrauchöl bringt die Duftfraktion in die Creme. Einen Harzauszug bringt er nicht hinein.

Warum wir unsere Rezepturen selbst entwickeln

Bei Weihrauchkraft wollten wir eine Haut- und Körperpflege entwickeln, bei der das Harz der Ausgangspunkt ist. Deshalb beziehen wir Boswellia Sacra aus Oman und stellen daraus in unserer Manufaktur in Neu-Ulm einen eigenen Harzauszug her.

Dieser Auszug wird nicht nachträglich in irgendeine fertige Creme getropft. Er ist von Anfang an Bestandteil der jeweiligen Formulierung und wird gemeinsam mit den anderen Inhaltsstoffen verarbeitet.

Ätherisches Öl und Harzauszug stammen aus demselben Rohstoff. Sie sind trotzdem nicht austauschbar. Wer den Duft des Weihrauchs sucht, kann mit einem ätherischen Öl genau richtig liegen. Wer sich für die Harzfraktion interessiert, muss genauer auf die verwendete Rohstoffform schauen.

Fazit

Ein Tropfen ätherisches Weihrauchöl kann einer Creme den charakteristischen Duft des Harzes geben. Er bringt Terpene wie Alpha-Pinen oder Limonen mit. Die Boswelliasäuren sind darin jedoch nicht enthalten.

Aus einer Creme mit ätherischem Weihrauchöl wird deshalb keine Pflege mit Harzauszug.

Duft in der Creme und Harz in der Rezeptur sind zwei verschiedene Dinge.

Quellen

1. Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zur Anwendung von ätherischen Ölen.
2. Kieliszek et al. (2020): Biological Activity of Some Aromatic Plants and Their Metabolites.

Wenn dich das Thema Weihrauch und seine Wirkstoffe interessiert:  Ätherisches Weihrauchöl oder Harzauszug: Was bei der Verarbeitung entsteht

 

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